Tanja Kinkel: Grimms Morde

Als Teenie war ich ein großer Fan von Tanja Kinkel, und ich glaube, ihre Romane waren ein wichtiger Anstoß für mich, mich für Geschichte zu interessieren. In den letzten Jahren habe ich nicht mehr so verfolgt, was sie macht, aber neulich habe ich mal wieder geschaut, was sie in der Zwischenzeit geschrieben hat, und bin sofort bei „Grimms Morde“ hängen geblieben (veröffentlicht bei Droemer 2017) – der Roman spielt in Kassel und hat die Brüder Grimm (ich bin dort immerhin auf die Jacob-Grimm-Schule gegangen) und Annette von Droste-Hülshoff als Protagonisten (ich liebe das Gedicht „Am Turme“ und konnte es zumindest mal auswendig – inzwischen bleibe ich immer irgendwo hängen oder lasse Teile aus … 😅). Also habe ich es mir ausgeliehen, angelesen und dann gleich gebraucht gekauft, weil ich merkte, dass es mir gefallen würde und ich es auch meiner Mutter zu lesen geben wollte. Ihr hat es auch sehr gut gefallen.

Wie gesagt: Jacob und Wilhelm Grimm und Annette und Jenny von Droste-Hülshoff. Ich wusste nicht mal, dass die Kontakt hatten, dabei war wohl mindestens zwischen Wilhelm und Jenny sogar etwas mehr als Kontakt …

Die Geschichte beginnt jedenfalls damit, dass am Wilhelmshöher Schloss die Leiche einer ehemaligen Mätresse des Landgrafen gefunden wird, zusammen mit einem Zettel, auf dem ein Zitat aus einem Märchen steht. Jacob Grimm, der als Hofbibliothekar arbeitet, erkennt es sofort als eines, das Wilhelm von Jenny zugeschickt worden war. Da nun sein Bruder und er zunächst in Verdacht geraten (schließlich stammt das Zitat aus ihrer Veröffentlichung), sie aber die beiden Schwestern nicht da hineinziehen und darum ihre Quelle nicht preisgeben wollen (zumal sie ungern zugeben möchten, dass sie ihre Märchen nur zu geringen Teilen von alten Frauen aus dem Volk, sondern von adligen jungen Damen gesammelt haben), fängt er an, selbst zu ermitteln. Und da Annette und Jenny nicht bereit sind brav herumzusitzen, sondern mit ihrem Onkel nach Kassel fahren, entspinnen sich daraus ein Krimi, komplizierte Beziehungskisten und politische Schwierigkeiten kurz nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft, und ich habe jede Seite davon genossen.

Besonders die beiden eher sperrigen Charaktere von Annette und Jacob waren wundervoll zu lesen, und ich habe mir danach sofort zwei Bücher über die Brüder Grimm und eines über Annette von Droste-Hülshoff ausgeliehen, um zu sehen, wie viel davon historisch begründet und wieviel Tanja Kinkels Phantasie ist. Eines davon habe ich auch schon gelesen, und wahrscheinlich nehme ich mir jetzt, nachdem ich dieses rezensionsartige Dings geschrieben habe, auch die zweite Grimm-Biographie mal vor.

So. Kurz und knapp, aber besser als nix, und das Buch verdient einfach eine Erwähnung und Empfehlung. 🥰

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