Cassandra Clare: Sword Catcher

(Die Chroniken von Castellan 1, penhaligon 2023)

Kel Saren wurde als Kind aus dem Waisenhaus geholt, um als Schwertfänger für Prinz Conor von Castellan zu dienen: eine Tradition aus der Heimat der Königin, die hier nicht bekannt ist, weshalb er auch als entfernter Cousin des Prinzen ausgegeben wird. Sein Leben ist dem Schutz Conors gewidmet, und er nimmt sein Amt ernst, auch weil er Conor gern hat, aber vor allem, weil es ihn vor einem Leben in der Gosse bewahrt und ihm einen Lebensinhalt gegeben hat. Und er nimmt es so ernst, dass er nicht nur zwischen dem Prinzen und einem Armbrustbolzen oder einem Schwert steht, sondern schon vorher versucht, jede Gefahr von ihm abzuwenden – und das muss er sehr ausführlich tun, als er einer Verschwörung auf die Spur kommt … Gleichzeitig versucht Lin Caster, eine Ashkar, die im abgegrenzten Sault leben muss, ihrer kranken Freundin Mariam das Leben zu retten. Die Ashkar sind die einzigen, die seit der „Großen Sonderung“ noch Reste von Magiefähigkeit besitzen, und Lin versucht alles, ob verboten oder nicht, um Mariam zu helfen … Und dann ist da noch der geheimnisvolle „Lumpensammlerkönig“, der offenbar eine eigene Agenda hat.

Schwierig zusammenzufassen irgendwie. Da fehlt jetzt noch sehr viel, und die Zusammenhänge sind nicht verständlich. Aber egal. 😉

Ich war auf Booktube auf das Buch gestoßen. Cassandra Clare hat mich sonst so gar nicht gereizt, die schreibt ja sonst eher YA-Urban Fantasy mit viel Liebesgeschmachte. Das hier ist aber High Fantasy für Erwachsene, und auch wenn sich Liebesgeschichten andeuten, stehen sie nicht im Vordergrund, das hat mir sehr gut gefallen (inzwischen habe ich aber leider schon die Rezension von der besagten Booktuberin für Band 2 gesehen, die sehr enttäuscht war, dass da wieder deutlich mehr geschmachtet wird … naja, mal sehen).

Die Figuren waren lebendig und interessant, sympathisch, aber auch mit Grauschattierungen, das mochte ich sehr und will darum auch wissen, wie es ihnen weiter ergeht. Und der Plot war auch wirklich spannend und sehr wendungsreich und politisch, sowas liebe ich ja eh immer.

Aaaaber …

Dem Weltenbau stehe ich etwas zwiespältig gegenüber. Einerseits mochte ich die mythologischen Hintergründe wahnsinnig gern, und alles fühlt sich sehr echt und einfach da an – manchmal schon zu sehr, weil gerade anfangs halt viele Weltenbegriffe einfach reingeworfen werden, ohne dass sie erklärt werden. Zum Beispiel ist irgendwann von „ganz Dannemore“ die Rede, und es hat eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass das der Kontinent ist, auf dem sich Castellan befindet, nicht irgendein ehemaliges Reich oder sowas. Und es gab noch mehr solche Fälle, wo ich mich dann etwas verloren fühlte und mir heiß und innig ein Glossar gewünscht hätte, das es aber nicht gibt. Echt mal, ich hab schon so oft in Büchern ein Glossar gehabt, wo ich es gar nicht gebraucht hätte, aber hier, wo Begriffe nicht im Text erklärt werden, gibt es keins …

Was mich auch noch sehr gestört hat (das ist aber wirklich Geschmackssache, schätze ich), ist, dass sich bei den Ländern auf Dannemore sehr stark an irdischen Kulturen und Sprachen bedient wurde. Im Nachwort schreibt die Autorin auch, dass in Castellan Okzitanisch, im Nachbarland Sarthe Venetisch gesprochen wird (das kommt auch vor, und ich dachte schon, dass das ein italienischer Dialekt oder sowas ähliches sein musste). Ich mag sowas nicht, das reißt mich aus dem Fantasy-Feeling raus und kommt mir immer etwas faul vor – statt eine eigene Kultur zu basteln (die ja durchaus Anklänge und Versatzstücke von irdischen haben kann und auch fast immer haben wird, weil unsere Vorstellungskraft da begrenzt ist, bzw. man auch den Lesenden nicht zu viel Fremdes zumuten kann, bevor die nicht mehr mit den Charakteren mitfühlen können), klaut man halt einfach was schon Vorhandenes. Aber wie gesagt, das ist auch Geschmackssache. Wirklich blöd fand ich allerdings, dass es auf diesem einen Kontinent nicht nur besagte italienisch-französische Anklänge gab, sondern auf dem gleichen Kontinent (!) auch ein Land namens Shenzhou gibt, in dem man Nudelsuppe isst und rote Papierlampen aufhängt (kommt halt hier nur in einem Restaurant in der Stadt vor), eines namens Hind, das auch sonst sehr an Indien erinnert, eines, das sich holländisch anhört, eines das deutsch klingt, eines, das eher so arabisch anmutet … alles auf einem Kontinent. Nee. Da geht mein Suspension of Disbelief halt leider flöten. Das ist so: „Ich will da ganz viel bunt, mir doch egal, ob das logisch erklärbar ist. Magie oder so.“

Und an einigen Stellen fand ich auch in der Handlung ähnliche Logikfehler. Da gibt es zum Beispiel eine Szene, in der unsere Protagonisten in einem Adligenpalast in einen abseitigen Flur geraten und in einem Lagerraum landen, in dem Staub und Spinnweben auf Kisten liegen – aber es brennt eine Wachskerze (!). Whut? Warum? Wieso brennt da einfach mal so eine Kerze? Wer hat die da hingestellt und angezündet, und zwar kurz vor der Ankunft unserer Protas, denn so lange brennen Kerzen nicht? Und ist das nicht gefährlich, eine Kerze in einem Lagerraum offen brennen zu lassen? Und wozu überhaupt (gut, damit Kel da was lesen kann, aber das hätte man auch mit „Der Mond schien so hell durch das Fenster …“ o.ä. lösen können)? In diesem Sinne sind mir noch einige andere Stellen aufgestoßen, die sich teilweise mit vorher gesagtem widersprachen oder eben einfach sinnlos waren.

Fazit: Die Geschichte fand ich toll, die Charaktere auch, die mythologischen Hintergründe ebenso, aber die Welt und der Text hätten ein bisschen mehr Sorgfalt vertragen können in meinen Augen. Gut, die gute Frau schreibt auch wie am Fließband gleichzeitig an mehreren Serien, da verwundert das nicht, aber schade fand ich es trotzdem irgendwie. Die Geschichte hat sehr viel Potential und hätte durch ein bisschen mehr Zeit und Hirnschmalz etwas richtig Tolles werden können.

Weiterlesen will ich auf jeden Fall – allerdings bin ich jetzt am Überlegen, ob ich Band zwei, „Ragpicker King“ (OK, hier verstehe ich im Gegensatz zu Band eins, warum man den Titel nicht auf Deutsch übersetzt hat. „Schwertfänger“ hätte ich als Titel richtig toll gefunden, „Der Lumpensammlerkönig“ klingt schon eher mäßig gut …), der letztes Jahr erschienen ist, kaufe oder vielleicht lieber gleich auf den dritten Band warte, dessen Erscheinungsjahr noch nichtmal feststeht. Wenn der rauskommt, muss ich vermutlich sowieso nochmal alles von vorne lesen, und bis dahin ist Band zwei vielleicht etwas günstiger gebraucht zu kriegen …

Mal gucken. Erst mal lese ich jetzt jedenfalls definitiv was anderes.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Neyasha

    Klingt trotz Kritikpunkten interessant. Das mit den irdischen Anklängen finde ich auch meist nervig; da ist Guy Gavriel Kay der einzige, bei dem mich das nicht stört. Bei ihm ist die Inspiration halt sehr deutlich zu erkennen, aber es wirkt trotzdem wie aus einem Guss und er verwendet auch eigene Namen. Aber so ein Aneinanderklatschen von Kulturen ist eher seltsam.

Antworte auf den Kommentar von Neyasha Antwort abbrechen